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GESUNDHEIT Piercing und Erkrankungen der Mundhöhle

FRÜHER nur in einigen Drittweltländern anzutreffen, ist das Piercing heute auch im Westen eine verbreitete Praktik geworden. Mit dem Anbringen von Schmuck an Lippen, Zunge oder Halszäpfchen sind jedoch auch gewisse medizinische Risiken während und nach dem Eingriff verbunden. Die Mode bringt immer wieder Jüngere und Ältere dazu, mehr oder weniger gewagte ästhetische Veränderungen an ihrem Körper vorzunehmen. Nach den Tattoos ist heute die Reihe am Piercing, alle möglichen Körperpartien zu zieren. Die Perforation des Mundgewebes stösst dabei natürlich auf das Interesse der Zahnärzte, welche nicht selten durch derartigen Schmuck hervorgerufene Infektionen und Entzündungen antreffen. Grösstenteils verfügen diejenigen, die Piercings anbringen, über keine spezielle Ausbildung. Angesichts dieser Tatsache ist die Frage nach ihren Präventionsmethoden gegen übertragbare Krankheiten wie Aids, Hepatitis oder Herpes (Fieberblasen) sicher erlaubt. Im Bereich des Mundes werden für gewöhnlich Lippen, Wangen oder Halszäpfchen, meist aber die Zunge durchbohrt. Die hohe Anzahl und die Vielfalt der Bakterien in der Mundhöhle stellen ein nicht vernachlässigbares Infektions- risiko dar. Probleme der Narbenbildung und allergische Reaktionen auf die verwendeten Materialien können sich hinzugesellen. Empfehlenswert ist deshalb Mundschmuck aus rostfreiem Chirurgenstahl, aus 14-karätigem Gold oder aus Niobium, einem grauen Metall, das in der Schwerindustrie verwendet wird.

NICHT UNPROBLEMATISCH

Speziell ins Gewicht fällt die Tatsache, dass ein Piercing im Mund ohne Lokalanästhesie vorgenommen wird. Wird beispielsweise die Zunge durchbohrt, so wird die Blutung mit Hilfe einer Gefässklemme unter Kontrolle gehalten, während die Perforation mit einer Nadel vorgenommen wird, deren Durchmesser in etwa demjenigen des vorgesehenen Schmuckstücks entspricht. Zuerst wird ein Provisorium angebracht, das etwas länger ist als das endgültige Stück. Es verbleibt dort während der Narbenbildungsphase, die 4 bis 6 Wochen dauern kann. Häufig auftretende Symptome sind Schmerzen, Entzündungen, erhöhter Speichelfluss und Verletzungen des Zahnfleischs. Piercings im Mundhöhlenbereich sind nicht immer unproblematisch : Einmal verfügt die Zunge über eine beträchtliche Anzahl Blutgefässe, wodurch eine langandauernde Blutung entstehen kann. Auch kann sich die durch den Eingriff entstehende Entzündung durch Schwellungen derartig ausdehnen, dass die Atemwege verlegt werden. Darüber hinaus kann der Schmuck das Sprechen, Kauen oder Schlucken behindern und sogar das Abbrechen eines Zahns verursachen. Das Piercing erfüllt heutzutage offensichtlich einen ästhetischen Zweck und demonstriert die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, doch sollten dabei immer die Regeln der Kunst und strikte Hygienemassnahmen eingehalten werden. (itg)

Julia MOVENO (SSO)

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