Die Farben des Chamäleons Von Rebecca GABLE Copyright by Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH & Co., Bergisch Gladbach durch Verlag von Graberg & Görg, Frankfurt am Main
Teil 36 Als ich mein Zimmer betrat, wartete van Relger schon auf mich. Er war ein bißchen überrascht. « Sie sind Hendrik Simons ? » Ich reichte ihm grinsend die Hand, die er, als er sich gefaßt hatte, ergriff und kräftig schüttelte. « Möchten Sie etwas trinken ? » Er nickte. « Sehr gern. Einen Scotch mit Soda. » « Mal sehen. » Ich öffnete den kleinen Kühlschrank und fand, worum er gebeten hatte. Ich nahm mir nach kurzem Zögern einen Piccolo. « Sie sind also immer noch hier », bemerkte er, als er an seinem Drink genippt hatte. « Ich dachte, Sie wollten das nur für ein, zwei Tage machen. » Ich merkte, daß es ihm nicht leicht fiel, deutsch zu sprechen, und schlug vor, zu englisch überzugehen. Er willigte erleichtert ein und sagte, sein Name sei Jan. Ich setzte mich ihm gegenüber in einen der typisch ungemütlichen Hotelsessel. « Ich hatte ursprünglich die Absicht, wirklich nur einen oder zwei Tage zu bleiben, aber dann hat sich so viel entwickelt, daß es lohnend schien, doch länger zu bleiben. Hast du schon mit Lisa geredet ? » Er schüttelte den Kopf. « Nein. Es ist verrückt. Es ist der Grund, warum ich gekommen bin, und jetzt bringe ich es einfach nicht fertig. Ich... » Er räusperte sich verlegen. « Na ja, du kannst dir vermutlich denken, daß ich nicht wegen einer alten Familienfreundschaft mein Büro im Stich gelassen habe und Hals über Kopf nach Deutschland gekommen bin, nachdem ich deinen Brief bekommen hatte. » Ich grinste. « Nein. Das habe ich nicht angenommen. Du hast ein persönliches Interesse daran, daß diese Heirat verhindert wird, ja ? » Er grinste zurück, aber es war ein eher klägliches Grinsen. « Nur zu wahr. Lisa ist für mich, na ja, wie soll ich sagen... Für mich war irgendwie immer klar, daß ich Lisa eines Tages heiraten würde. Ich bin nie drauf gekommen, daß mir ein anderer Kerl zuvorkommen könnte. Es ist wirklich verrückt. » « Wart ihr denn zusammen, bevor Terheugen aufgekreuzt ist ? » « Schwer zu sagen. Nicht im üblichen Sinne des Wortes. Wir waren immer Freunde und haben viel zusammen unternommen. Aber sie ist noch so jung, und ich... na ja... » « Du willst sagen, sie weiß überhaupt nichts davon, wie du zu ihr stehst ? » « Ich fürchte, so ist es. » Gütiger Himmel, dachte ich, wie eigenartig. Aber ich sah, daß der leichte Ton ihn Mühe kostete, ich hatte das Gefühl, daß seine Tage und Nächte mächtig düster waren seit Lisas Verlobung mit Terheugen. Er drehte nervös sein Glas zwischen den Händen. « Und jetzt weiß ich nicht, wie ich ihr die Sache mit den Fotos sagen soll. » Ich dachte plötzlich wieder an das traurige Los der Boten mit den schlechten Neuigkeiten. « Du fürchtest, daß es sie nicht gerade für dich einnehmen wird, wenn du ihr die heiklen Tatsachen präsentierst, ja ? » Er hob den Kopf und sah mich scharf an. « Jetzt weiß ich, was mein alter Herr meinte. » Ich war verwirrt. « Wovon redest du ? » « Ich hab' mit ihm telefoniert, als er hier war. Er sagte, du wärst ein scharfsinniger Bastard, und er wisse nicht mehr, was er tun solle, weil du ihn immer sofort durchschautest. » Plötzlich fror ich am Rücken. « Nein. So ganz hab' ich ihn nie durchschaut. Er hat's immer wieder geschafft, mich zu überrumpeln. Aber ich hab' ihn sehr gemocht. Es tut mir sehr leid, was passiert ist. » Er nickte traurig. « Ja. Das ist die andere Seite der Medaille. Wenn es nur darum ginge, daß Lisa einen anderen Kerl statt mich heiratet, wär' das schlimm genug. Aber es ist ausgeschlossen, daß ich zulasse, daß sie diesen Mann heiratet, der meinen Vater umgebracht hat, der ihren... euren Vater ruinieren will und Gott weiß was sonst noch anrichten wird. » Ich trank aus meinem Glas, dachte eine Weile nach und betrachtete den Mann, der mir gegenübersaß. Ich fand es schwierig, ihn einzuschätzen. Obwohl er vorgab, ganz offen mit mir zu reden, hatte ich das Gefühl, daß ich nur die Spitze von einem Eisberg sah. Ich kam zu dem Schluß, daß mir nichts übrigblieb, als es mit ihm zu versuchen. « Womit hast du deinen Besuch hier erklärt ? War Terheugen nicht mißtrauisch ? Wegen des Namens, meine ich. » « Oh ja. Er wurde leichenblaß, als ich mich vorstellte. Aber natürlich weiß er nicht, daß irgendwer die Sache mit dem Unfall bezweifelt. Ich habe ihm gesagt, ich hätte zufällig erfahren, daß Lisas... euer Vater... » « Bemüh dich nicht. » « Daß Lisas Vater also beschlossen hätte, die Mine stillzulegen und die Gesellschaft zu liquidieren, wenn Lisa Terheugen heiratet. » Ich war erstaunt. « Ist das wahr ? » « Unsinn. Eher würde er Terheugen mit eigener Hand erschlagen. Aber das macht ja nichts. Terheugen glaubt es und ist ziemlich aus dem Häuschen. Er hat mich angefleht, ein paar Tage zu bleiben, er kenne sich mit südafrikanischem Gesellschaftsrecht nicht genügend aus, um die nötigen Schritte einleiten zu können. Ich habe eingewilligt. Ich habe zwar von Gesellschaftsrecht auch nicht viel Ahnung, aber genug, um ihm Sand in die Augen zu streuen. Ich will versuchen, ihn zu überreden, seine Aktien zum Schein auf den Markt zu werfen und von Strohmännern aufkaufen zu lassen. Und wenn er das tut, schnapp' ich sie ihm vor der Nase weg. » Ich war sprachlos. Der verzagte, schüchtern wirkende van Relger junior war genau so ein abgekochter Ränkeschmied wie sein alter Herr. Genau der Mann, den ich brauchte. « Glaubst du, er wird es tun ? Traut er dir ? » Er nickte nachdenklich. « Denk' schon. Lisa hat ihm, arglos wie sie ist, erzählt, daß ich ein furchtbar netter Kerl wäre und schon immer alles für sie getan hätte. Ich denke, er hegt keinen Verdacht. Er hat gesagt, ich soll mich nach geeigneten Scheinkäufern umsehen. » « Das ist... phantastisch. » « Na ja. Aber Lisa... » « Warte noch ein paar Tage ab. Vielleicht wird es gar nicht nötig sein, ihr die Fotos zu zeigen. Es könnte noch die eine oder andere Alternative geben. » « Und woran denkst du ? » (Fortsetzung folgt)











