Die Ankündigungen strengster Sicherheitsvorkehrungen für die Wahl im Irak reißen nicht ab. Am Wochenende veröffentlichten die Behörden einen umfangreichen Plan, der unter anderem gleich zwei Sicherheitssperren für jedes Wahllokal vorsieht. Jetzt wollen sie darüber hinaus für drei Tage die Landes- sowie die Grenzen zwischen den Provinzen schließen. Die Angst sitzt tief, die Wahl am 30. Januar könnte in einem Blutbad enden. Anschläge mit Autobomben, Angriffe mit Mörsergranaten oder Raketen – die Organisatoren sind auf alles gefasst. Vor allem in Bagdad herrscht Nervosität, bei den irakischen ebenso wie bei den amerikanischen Sicherheitsvertretern. « Wäre ich einer der bösen Jungs, würde ich mir die Gelegenheit auch nicht entgehen lassen », sagt US-Brigadegeneral Jeffrey Hammond. Nach seinen Worten spiegelt die Lage in der irakischen Hauptstadt die Situation im ganzen Land wider : « Einige Gebiete sind ziemlich hässlich, in anderen sieht es schon ganz gut aus. » Die Sicherheitsvorkehrungen bezeichnet der stellvertretende Kommandeur der US-Truppen in Bagdad als relativ umfassend ; wasserdicht seien sie aber nicht : « Wenn es einem Terroristen schon gelingt, in einen stark bewachten US-Stützpunkt in Mossul einzudringen, eine Bombe zu zünden und amerikanische Soldaten zu töten – warum soll er das dann nicht in einem Wahllokal können ? » Bei dem Selbstmordanschlag in Mossul am 21. Dezember starben 22 Menschen, darunter 14 US-Soldaten. Der Attentäter hatte sich mit Hilfe einer irakischen Armee-Uniform in das schwer bewachte Camp geschmuggelt. Derlei Anschläge beherrschten irakische Aufständische inzwischen schon « im Schlaf », sagt Hammond. Der US-General ist davon überzeugt, dass die « Vorbereitungen schon laufen, während wir hier noch darüber sprechen ».
“ Zurzeit bereiten wir uns wie verrückt auf alle Eventualitäten vor”
Wie lasse sich zum Beispiel ein Attentäter erkennen, der sich als irakischer Polizist ausgebe ? « Das ist eine meiner Hauptsorgen ; doch rechnen wir auch mit anderen Formen von Überfällen. Ich bin ganz ehrlich – zurzeit bereiten wir uns wie verrückt auf alle Eventualitäten vor. » So habe es in der Haifa-Straße von Bagdad schon Zehnjährige gegeben, die Handgranaten auf Sicherheitskräfte schleuderten. Folglich dürfen am 30. Januar keine Kinder in die Wahllokale mitgenommen werden. Fast ebenso verheerend wie blutige Gewalt zum Wahltag wäre jedoch auch eine niedrige Wahlbeteiligung. Einflussreiche sunnitische Gruppen haben bereits angekündigt, den Urnengang zu boykottieren. Vor allem im Westen und Norden Bagdads könnten sunnitische Rebellen die Stimmberechtigten so einschüchtern, dass sie aus Angst vor Anschlägen zu Hause bleiben. Die Stimmung dort sei düster, versichert auch ein Vertreter der US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt. In einigen Bezirken, vor allem im sunnitischen Stadtteil Adhamija, seien noch nicht einmal die Wählerregistrierungskarten verteilt. Auch Hammond ist sich der Gefahr der Wahlabstinenz bewusst. Die detaillierte Veröffentlichung aller Sicherheitsmaßnahmen solle auch die Wähler beruhigen : Wenn sie sich sicher fühlen, werden sie sich die Chance zu einer freien Wahl schon nicht entgehen lassen, lautet das Kalkül. « Wir gehen davon aus, dass es eine Wahl gibt – und dafür müssen wir die Möglichkeiten schaffen, dass sich in Bagdad möglichst viele daran beteiligen können », bekräftigt der Offizier. Im Vorfeld wurde die « Task Force Bagdad » um 5000 auf 39 000 Mitglieder aufgestockt, die Zahl der irakischen Polizisten auf 18.000 und die der irakischen Soldaten auf mehr als 7400. Und auch die eigens für die Wahl eingerichtete Hotline für Hinweise auf verdächtige Aktionen ist laut Hammond inzwischen angelaufen : Pro Woche erhalte die US-Armee inzwischen rund 35 Tipps.
AFP
Am 30. Januar sollen Wahlen im Irak organisiert werden. Die Wahlkampagne hat schon seit einigen Wochen begonnen.











