Die Mittler zwischen der zerfallenden fränkischen Spätantike und dem entstehenden Deutschen Reich Karls des Großen sind es, die die Impulse geben für die Christianisierung im Gebiet zwischen Graubünden und dem Bodensee. Sie bauen Steinhäuser, errichten Klöster nach einem festen Schema und mit festen Regeln, sie beherrschen die lateinische und die griechische Sprache und sind unermüdlich in der Verbreitung der christlichen Lehre. Der Alemanne Gallus schließt sich diesen im Glauben fanatischen iroschottischen Mönchen an, hört das Signal des Missionierens und unterwirft sich ihren strengen Regeln. Als er krank wird, läßt ihn sein Abt Kolumban zurück am Bodensee. Der Abt zieht weiter über die Alpen, Gallus gründet nach seiner Genesung eine Einsiedelei, die Grundstock für das später berühmte Kloster Sankt Gallen ist. Die Abtei Sankt Gallen wird im Jahr 719 von Otmar gegründet, sie gehört in ihrer Zeit zu den bedeutendsten kulturellen Zentren nördlich der Alpen und erlebt vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine kulturelle Blüte. Die Achse St. Gallen — Insel Reichenau bildet eine Macht in der fortschreitenden Christianisierung des Bodenseeraumes. Aus dem Jahr 820 stammt der bis heute erhaltene einzigartige Klosterplan, nach dessen Zeichnung das Sankt Gallener Kloster angelegt wurde.
Reiches Innenleben im Rokokostil
Die spätbarocke Stiftskirche aus dem 18. Jahrhundert, die gebaut wird über der aus dem 9. Jahrhundert stammenden Krypta des Klostergründers Otmar, und die Stiftsbibliothek mit den bedeutenden Handschriften stehen heute unter dem besonderen Schutz der UNESCO, die beide Bauwerke zum Weltkulturerbe erklärte. Obwohl die Abtei im 16. Jahrhundert ihre öffentliche Wirkung verliert, flackert in der Mitte des 17. Jahrhunderts neue Bautätigkeit auf, renommierte Baumeister arbeiten an der Gestaltung der heutigen Kirche. Die Kirche, die nach außen eher streng und maßvoll gestaltet ist, besitzt ein reiches Innenleben im Rokokostil : prachtvolle Deckengemälde, wertvolle Intarsienarbeiten im Parkettboden, üppig verzierte Gitter und Wandpfeiler und prachtvolle Stuckarbeiten charakterisieren Kirche und angegliederte Bibliothek und machen beide Bauwerke zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Schweiz. Die Bibliothek beherbergt neben irischen Handschriften aus der frühen Zeit der Christianisierung auch Elfenbeintafeln aus dem 10. Jahrhundert, eine Abschrift des Nibelungenliedes, zahlreiche Werke mittelalterlicher Dichtkunst und Übersetzungen lateinischer Schriften ins Alemannische.











